Die Wittgenstein-Rezeption hat sich in den letzten Jahrzehnten, wohl vor allem aufgrund Kripkes einflussreichem Buch Wittgenstein on Rules and Private Language, auf den Begriff der Regel und das Problem des Regelfolgens konzentriert. Wittgenstein selbst betont in seinem Werk allerdings immer wieder, dass eine Praxis nicht nur Regeln hat, sondern auch einen Witz, d.h. eine Pointe - er behauptet sogar: "Die Problematik der Philosophie ist die Problematik des Witzes". Demungeachtet gab es bisher keine systematische Auseinandersetzung, die der Bedeutung des Witzes in Wittgensteins Philosophie gerecht wurde. Die vorliegende Studie wirkt diesem Versaeumnis entgegen. An den Beispielen Mathematik, Sprache und Moral wird gezeigt, inwiefern der Witz erstens konstitutiv fuer eine Praxis ist, zweitens, inwiefern er das Telos einer Praxis ist, und drittens, warum eine Praxis trotz ihrer teleologischen Struktur nicht durch ihr Telos begruendet werden kann. In diesem Zusammenhang wirft die vorliegende Studie ein neues Licht auf Wittgensteins UEberlegungen zur Mathematik und Sprache. Darueber hinaus werden in der Beschreibung der Moral Perspektiven eroeffnet, die ueber Wittgenstein hinausweisen und weitere Anwendungsmoeglichkeiten der Beschreibungsformen Regel und Witz aufzeigen.