Wer die kuenstlerische Entwicklung des Malers, Filmemachers, Dra- matikers und Schriftstellers Peter Weiss beschreiben will, wird rasch erkennen, warum seine aesthetische Praxis in solchem Masse mit dem Surrealismus korrespondieren konnte. Schon der fluechtige Blick auf das fruehe bildkuenstlerische Schaffen findet Anhaltspunkte dafuer, wa- rum sich Weiss der Pariser Avantgarde eng verbunden gefuehlt haben muss, als er sich ihr spaeter bewusst zuwandte. So kann man vielen Jugend-Bildern bereits den Protest gegen jene technokratische Ra- tionalitaet entnehmen, die im Brennpunkt der surrealistischen Kritik stand. Auch die Betonung des Phantastischen oder die mitunter er- kennbare Vermischung von Traum und Realitaet deuten auf typische surrealistische KunstmitteL Mit seinen spaeteren Collagen knuepft er schliesslich unuebersehbar an die Arbeiten von Max Ernst an. Weiss hat sich auch mit den programmatischen Anspruechen der Sur- realisten, fuer deren Formulierung ihr Wortfuehrer Breton immer wie- der gesorgt hat, eingehend auseinandergesetzt Deren naehere Be- trachtung und Weiss' Bezugnahmen erhellen, wie wichtig die Aus- einandersetzung mit dieser Tradition fuer seinen Weg in die aesthe- tische Modeme gewesen ist. Hierbei kommen allerdings Zweifel auf, ob es hilfreich ist, Weiss zu irgendeinem Zeitpunkt seiner Ent- wicklung (etwa in den fuenfziger Jahren) als einen "Kuenstler" zu be- schreiben, der potentiell der surrealistischen Gruppe zugehoerte. Da- gegen spricht vor allem die unmittelbare Selbstbezogenheit seiner fruehen AEusserungen, denen die gesellschaftliche Perspektive ganz 9 fremd war. Es ist nicht zu verkennen, dass Weiss seinen individu- ellen Horizont anfaenglich nie ueberschreitet.